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Das Baby wacht häufig auf: warum ist das eigentlich so?

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Nächte in denen das Baby unruhig schläft und häufig aufwacht können auf Dauer sehr belastend sein. In meinen Baby- und Kinderschlafberatungen ist das wohl das häufigste Thema. Heute wollen wir uns ansehen, warum das eigentlich so ist.

Warum Babys häufig aufwachen: Schlafphasen und – zyklen

Schlaf ist nicht gleich Schlaf: Wir durchlaufen dabei mehrere Schlafphasen und -zyklen. Diese kann man nach Labormessungen in einem sogenannten Hypnogramm oder Schlafprofil darstellen. Man unterscheidet dabei zwischen REM-Schlaf und N(on)REM-Schlaf.

REM-Schlaf

REM steht für Rapid-Eye-Movement, und beschreibt sehr aktive Schlafphasen in denen wir viel verarbeiten, träumen und zumindest unsere Augen schnell bewegen (daher der Name). Erwachsene bewegen sich im REM-Schlaf kaum, bei Babys ist diese Bewegungshemmung aber noch nicht ausgebildet und sie wirken deshalb im Schlaf auch viel unruhiger: sie bewegen sich dabei nämlich – viel junge Eltern überraschend viel! REM-Schlafphasen sind die, in denen wir am Tag erlebtes verarbeiten. Nervenbahnen werden ausgebildet – es ist die Schlafphase, in der unser Gedächtnis lernt und sich Dinge festigen. Der REM-Schlaf ist also sehr wichtig für Lernprozesse. Man vermutet dass er auch eine große Rolle bzgl. Stressbewältigung und Informationsverarbeitung spielt.

NREM-Schlaf

NRM- oder Non-REM-Schlaf bezeichnet die tiefen Schlafphasen. Man kann diese weiter unterteilen – für uns wichtig ist aber, dass zwischen den aktiven REM-Schlafphasen ruhige NREM-Phasen liegen.

Schlafzyklen

Im Laufe der Nacht durchlaufen alle Menschen zyklisch REM- und NRM-Schlafphasen. Dabei gibt es aber Unterschiede zwischen Erwachsenen und Babys:

  • bei Erwachsenen dauert ein Schlafzyklus etwa 90 min. Bei Babys sind diese Zyklen deutlich kürzer und dauern etwa 50-60 Minuten.
  • Erwachsene durchlaufen nach dem Einschlafen erst Tiefschlafphasen, bevor sie am Ende des ersten Schlafzyklus in die erste REM-Phase gelangen. Bei Babys beginnt der Schlaf mit einer REM-Phase, die etwa 20-30 Minuten andauert. Deshalb lassen sich Babys oft auch zu Beginn eines Schläfchens nicht ablegen!
    Dabei ist der Schlaf oft besonders in den frühen Morgenstunden besonders unruhig, weil die ganz tiefen Schlafphasen nicht mehr erreicht werden – das „Schlafhormon“ Melatonin wird nicht mehr so kräftig ausgeschüttet, dafür ist die Produktion des „Leistungshormons“ Cortisol schon im Hochlaufen.

     

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Typisches Hypnogramm eines 4 Monate alten Babys (oben) und eines 30 Jahre alten Erwachsenen (unten)
  • Die REM-Phasen bei Babys kommen durch die kürzeren Schlafzyklen nicht nur häufiger vor, sie dauern auch länger an als bei Erwachsenen.
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Verteilung von REM- und NREM-Schlaf im Lauf des Lebens

Babys verbringen viel mehr Zeit in REM-Schlafphasen als Erwachsene. Bei Neugeborenen liegt dieser Anteil bei fast 50%, bei Erwachsenen sind es etwa 20%. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit dass sie das Baby aufwacht viel größer: Weil ein Aufwachreiz viel wahrscheinlicher eine REM-Phase trifft als beim Erwachsenen.


Die Verteilung der Schlafphasen erklärt also, warum Babys so unruhig schlafen und häufig aufwachen. Aber warum ist das so? Warum haben Babys Schlafphasen, die so gar nicht zu unserem Schlaf als Erwachsene passen?

Warum es sinnvoll ist, dass dein Baby unruhig schläft und häufig aufwacht

Antworten darauf finden wir wenn wir Evolutionsbiologie und Entwicklungspsychologie berücksichtigen:

  • Muttermilch ist sehr schnell verdaulich, und gleichzeitig ein sehr hochwertiger Lieferant von Glucose. Das ist für die Gehirnentwicklung wichtig. Gehirnentwicklung passiert vor allem im Schlaf, in den REM-Phasen. Es ist also für die Gehirnentwicklung sinnvoll, dass das Baby nachts häufig aufwacht um Nahrung zu sich zu nehmen. Darauf abgestimmt ist – unabhängig vom Zeitpunkt der tatsächlichen Stillmahlzeiten! – die Milchproduktion der Mutter nachts größer als tagsüber. Mutter und Kind sind hier optimal aufeinander abgestimmt.
  • Neben der Nahrungsaufnahme hat der leichte Schlaf und das damit verbundene häufige Aufwachen von Kindern einen weiteren Vorteil: Es ist ein hervorragender Schutz gegen den plötzlichen Kindstod. Der genaue Mechanismus dahinter ist unbekannt, aber man vermutet dass Babys – wenn sie zu tief schlafen – die im ersten Lebensjahr noch ganz normalen Unregelmäßigkeiten im Atemrhythmus einfach verschlafen, und nach einem Aussetzer nicht mehr aufwachen. Deshalb sollten Kinder übrigens im ersten Lebensjahr immer in Anwesenheit eines Erwachsenen schlafen. Im eigenen Zimmer schlafen die Kinder die das akzeptieren oft einfach zu tief. Das gilt sowohl für die Nacht als auch die Tagschläfchen.
  • Wenn Babys sehr häufig aufwachen, liegt oft eine Unsicherheit dahinter: beim Schlafen bin ich alleine – ich muss mich darum kümmern, dass Mama/Papa da sind und auf mich aufpassen! Das Baby weiß ja nicht dass es in einer Wohnung mit Zentralheizung, abschließbaren Türen und immer reichlich Nahrungsvorrat lebt. Sein Gehirn ist im Alter von 4 Monaten soweit entwickelt, dass es in erster Linie Instinktgetrieben handelt – und die Instinkte aus vielen Jahrtausenden Höhlenleben verschwinden nicht in einer paar 100 Jahren Zivilisation.

Dass Babys nachts häufig aufwachen ist also ersteinmal ein höchst sinnvolles Verhalten!


Wenn das Baby häufig aufwacht und unruhig schläft ist das also ein ganz normales, sinnvolles Verhalten. Nichts desto trotz kann das Eltern definitv an den Rand ihrer Belastbarkeit oder darüber hinaus bringen, ganz besonders wenn zusätzliche Aufgaben wie ein älteres Geschwisterkind oder eine Berufstätigkeit Aufmerksamkeit fordern.
Im Teil 2 dieses Blogbeitrags besprechen wir daher mögliche Strategien diese Situation gut bewältigen zu können – ohne vom Kind Dinge zu verlangen zu denen es noch nicht bereit ist und die seinem Entwicklungsstand nicht entsprechen.

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