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Spielend durch den Alltag mit Bindungsspielen

Kinder haben ein großes Bedürfnis nach Bindung und Beziehung zu ihren Eltern. Leider bleibt im Alltagstrubel die Zeit für konzentrierten, aktiven Bindungsaufbau oft etwas auf der Strecke. Dabei ist es oft unglaublich welche Veränderung schon 30 Minuten bringen, die man ganz dem Kind widmet – ohne Handy, Fernseher oder sonstige Ablenkung.

Es gibt zu dem Thema ganz viele Begriffe: oft hört man vom Bindungstank der gefüllt werden werden muss, oder vom emotionalen Aufladen. Ein Konzept das in diesem Kontext ebenfalls relevant ist sind die 5 Sprachen der Liebe, falls du schon davon gehört hast. Heute möchte ich mich den sogenannten Bindungsspielen widmen, die die Entwicklungspsychologin Aletha J. Solter in ihrem Buch „Spielen schafft Nähe – Nähe löst Konflikte“ vorstellt.

Trennungsspiele

Als erste Kategorie der Bindungsspiele stelle ich euch Trennungsspiele vor.

Die Kleinkindzeit ist für viele Familien von großer Trennungsangst des Kindes geprägt. Die Fremdelphase in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres, Schlafschwierigkeiten, die Eingewöhnung in einer Betreuungseinrichtung, usw. … Auch Kinder die in der Trennungssituation nicht weinen, haben oft danach viel zu verarbeiten und können von der spielerischen Aufarbeitung profitieren.

Trennungsspiele sind eine schöne Möglichkeit, die Trennung im Spiel zu üben und zu verarbeiten, und dem Kind das Vertrauen zu geben dass wir verlässlich immer wieder kommen. Verlustängste können so deutlich gemindert werden.

Wie kannst du nun ein Trennungsspiel spielen? Du kennst bestimmt Wege dazu, und hast sie wahrscheinlich auch schon gespielt!

  • Für sehr junge Kinder bietet sich das Guck-Guck-Spiel an.
  • Mit älteren Kindern sind das Fangen- oder Versteckspiel schöne Möglichkeiten.
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Wichtig ist es, die Trennungssituation jeweils aufzulösen bevor das Kind sich unwohl fühlt und in Stress gerät. Das Wiedersehen nach der Trennung kann ganz ausgiebig gefeiert werden – der Fokus sollte auch darauf, und nicht auf der Trennung liegen.

Kontingenzsspiele

Bei Kontingenzspielen reagiert der Erwachsene zuverlässig mit immer der gleichen Reaktion auf bestimmte Handlungen des Kindes. Dadurch erlebt das Kind dass es nicht machtlos ist, sondern seine Umwelt beeinflussen kann. Nicht nur das Vertrauen in sich selbst, sondern auch auf die Eltern wird gestärkt weil zuverlässig eine vorhersehbare Reaktion passiert. Dadurch entsteht ein großes Gefühl von Sicherheit bei deinem Kind.
Dass Kinder hier im Bindungsspiel vorübergehend „das Sagen“ haben entspannt den Tagesablauf oft ganz drastisch, weil danach die Kooperationsbereitschaft wieder viel größer ist.
Die Möglichkeiten sind hier schier unendlich! Du kannst beispielweise immer die selbe Grimasse schneiden wenn dein Kind dich anstupst, die Zunge zeigen wenn das Kind deine Nase anfasst, oder dich vom Kind lenken lassen während es auf deinen Schultern sitzt.

Info zu Bindungsspielen, ein Handout zum Thema "5 Sprachen der Liebe für Kinder" und viel mehr ist übrigens auch im Onlinekurs "Einfacher Einschlafen" enthalten!

Regressionsspiele

Bei Regressionsspielen erlaubst du deinem Kind, im Spiel auf eine schon länger zurückliegende Stufe seiner Entwicklung zurückzufallen. Besonders hilfreich sind Regressionsspiele in Phasen, die dem Kind viel Reife abverlangen. Typische Situationen sind die Geburt eines neuen Geschwisterchens, die Eingewöhnung in einer Betreuungseirnichtung damit verbunden längere Trennungen von den Eltern, oder auch ein Abstillprozess – alle Situationen in denen du verleitet bist zu sagen „du bist doch schon groß“!
Auch für uns Eltern ist es oft hilfreich, weil es uns in Erinnerung ruft dass unser Kind ja eigentlich noch gar nicht so groß, sondern eigentlich noch ziemlich klein sind.
Du kannst dein Kind z.B. wie ein Baby umsorgen: ihm anbieten beim Anziehen zu helfen, obwohl es das ja eigentlich schon selbst kann, ihm die Flasche zurichten oder typische Babypspiele (Guckguck – auch ein hervorragendes Trennungsspiel!) spielen. Vielleicht habt ihr auch noch ein Spielzeug, das in der Babyzeit heiß geliebt war?

Machtumkehrspiele

Bei Machtumkehrspielen stellst du dich übertrieben langsam, ungeschickt oder sauer. Dein Kind darf sich dadurch stark und hilfreich fühlen -und hat spielerisch die Kontrolle über die Situation und dich.
Besonders hilfreich sind Machtumkehrspiele in Phasen, die dem Kind viel Kooperationsleistung abverlangt wird, in denen es auf große Veränderungen wenig oder keinen Einfluss ausüben kann. Typische Situationen sind die Eingewöhnung in einer Betreuungseinrichtung damit verbunden längere Trennungen von den Eltern, oder auch ein Abstillprozess der von den Eltern ausgeht.
Du kannst dich z.B. übertrieben streng geben und dem Kind verbieten das Kissen nach dir zu werfen. Wenn es bei der Kissenschlacht sich dann über das Verbot hinwegsetzt gibt ihm das ein Gefühl von Kontrolle – natürlich im Wissen dass das ein Spiel ist und im Ernstfall die Grenzen der Eltern zu wahren sind.
Auch Fangenspiele bieten sich an: Wenn die Eltern sich bewusst lansgam und ungeschickt stellen, darüber jammern chancenlos zu sein, darf das Kind groß und stark sein und die Eltern besiegen.

Nonsens-Spiele

Bei Nonsensspielen machst du etwas falsch, oder absurd übertrieben. Dein Kind darf dich dann korrigieren – und dabei herzlich lachen!
Besonders hilfreich sind Nonsensspiele in typischen Konfliktsituationen, z.B. beim Anziehen, Zähneputzen oder der Medikamentengabe.
Du kannst z.B beim Zähenputzen den verwirrten Professor mimen, der statt der Zähne die Zehen putzen möchte. Zumindest wird dein Kind dabei herzlich lachen (was eine Konfliktsituation immer! deutlich entschärft), dir wahrscheinlich aber sogar zeigen wie das mit dem Zähneputzen denn richtig geht. Auch wenn du nicht direkt in der Situation handelst, kannst du z.B. mit dem vertauschen von Textzeilen bei Liedern einfach für Humor, Komik und ein bisschen Leichtigkeit sorgen.

Bindungsspiele: Fazit

Bindungsspiele sind ein für viele Familien sehr einfach umsetzbarer Weg zur Konfliktlösung. Die meisten dieser Spiele sind bekannt und fühlen sich authentisch und natürlich an. Das Wissen was sie bewirken hilft, sie auch je nach Situation gezielt und bewusst einzusetzen. Viele Familien berichten z.B., dass in Veränderungsprozessen wie z.B. dem Abstillen, Bindungsspiele für viel Erleichterung sorgen! Für mehr Leichtigkeit im Familienalltag!

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