BINDUNGSWEISE

Schreibaby: Wenn das Baby schreit und schreit und schreit

Babys die sehr viel schreien, können ihre Eltern zur Verzweiflung bringen. Als Schreibaby gilt ein Baby, wenn es über einen Zeitraum von mehr als 3 Wochen mehr als 3 Stunden pro Tag, an mehr als 3 Tagen pro Woche schreit. (Quelle) Oft ist es spätnachmittags und abends besonders ausgeprägt. Die abendliche Schreistunde begleitet viele Eltern. In den ersten 3 Monaten tritt das häufige Schreien bei etwa 8-10% aller Babys auf. Bei den meisten Kindern endet der Spuk mit dem 4. Monat, bei einigen wenigen kann es aber auch länger andauern.

Warum das Baby schreit (und warum es nicht am Bauchweh liegt)

Über die genaue Entstehung und die Ursachen für das Schreien weiß man wenig. Es kommt in allen Kulturen, quer durch alle Erziehungsstile vor, gleichermaßen bei Flaschenkindern wie Stillbabys. Großen Einfluss hat aber die Umgebung: Babys aus Haushalten in denen geraucht wird, schreien mehr und häufiger. Sie sind häufiger Schreibabys. Als erste Maßnahme kannst du also sicherstellen, dass die Umgebung deines Babys zu 100% rauchfrei ist. Das schließt Passivrauch ein. Raucher die mit dem Baby Kontakt haben, sollen zuvor Gesicht, Haare und Hände waschen, sowie ihre Kleidung wechseln.

Früher wurde das übermäßige Schreien auf Bauchschmerzen und Blähungen zurückgeführt – daher auch der Name „3-Monats-Koliken“. Der Zusammenhang ist aber umgekehrt: Der harte Bauch und die Blähungen kommen vom Schreien, und liegen nicht an Verdauungsproblemen.

Behandelbare medizinische Ursachen sind selten. Nur bei wenigen Babys ist eine Milchunverträglichkeit, Reflux (übermäßiges Aufstoßen) oder eine andere Erkrankung Ursache des übermäßigen Schreiens.

Regulationsstörungen und Temperament: Häufige Ursachen dafür, dass dein Baby schreit

Wenn alle organischen/medizinischen Ursachen ausgeschlossen sind, ist der Grund für das Schreien eine sogenannte Regulationsstörung, oder einfach ein schwieriges Temperament des Babys.

Gerade Babys die viel Weinen, profitieren ganz besonders vom Körperkontakt mit einem ruhigen(!) Erwachsenen. Ja, das ist total schwierig, weil das Weinen eines Babys bei uns erstmal Stress auslöst, und den Drang etwas zu tun um das Schreien abzustellen. Das ist ja auch sinnvoll, wenn das Baby weint, weil es Hunger hat, eine nasse Windel, oder etwas anderes bei dem wir helfen können.
Wenn es aber “nur” Schwierigkeiten sind, hier auf unserer Welt anzukommen, und mit ihren Reizen umzugehen, gibt es erstmal nichts, was wir aktiv dafür tun können.

Was du tun kannst, wenn dein Baby schreit

Was oft hilft, ist das Baby in die Trage oder das Tuch zu nehmen. Das erlaubt dir, den Fokus weg vom schreienden Kind zu nehmen. Wenn dein Gedanke nicht mehr ist “wie um Himmels Willen bekomme ich denn das weinende Kind beruhigt”, sondern beim Wäsche aufhängen oder beim Hörbuch in deinem Ohr, fällt es dir leichter, selbst ruhig zu werden. Auch Ohropax sind definitiv eine Option.
Man kann mit der richtigen Technik Neugeborene auch schon auf dem Rücken tragen. Oft macht es das deutlich besser: Das Baby bekommt trotzdem Körperkontakt, und trotzdem hat man selbst etwas Abstand. Von hinten angeschrien zu werden, ist definitiv erträglicher als von vorne!

Wichtig: Wenn du dein sehr junges Baby am Rücken tragen möchtet, lass dir das von einer kompetenten Trageberaterin gut erklären! Solange das Baby seinen Kopf noch nicht stabil halten kann, braucht es eine besondere Technik, um das Baby auch ohne Kopfkontrolle sicher auf den Rücken zu bringen.

Schreibabys können zur Überforderung der Eltern führen

Es IST eine gewaltige Belastung für Eltern, wenn das Baby häufig schreit. Wenn du betroffen bist: Fühl dich mal gedrückt, wenn das für dich hilfreich ist.

Wenn es dir zuviel wird, und du Angst hast das Baby aus Überforderung und Verzweiflung heraus zu schütteln, ist es keine Schande das Baby auch mal kurz abzulegen. Du kannst ihm sagen: Ich geh mal kurz raus, weil ich 2 Minuten Ruhe brauche. Dann komme ich gleich wieder zu dir und bin für dich da. Idealerweise wechselst du dich in der Betreuung z.B. mit dem anderen Elternteil ab, um die Belastung erträglich zu halten.

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